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Reinigung von Schallplatten mit Plattentuch - Teil 1

Eine glatte Vinyl Schallplatte ohne Rille unter dem Mikroskop

Die Einen schwören darauf und andere wiederum lehnen sie ab: die Schallplatten-Reinigungstücher. Der Markt dafür ist fast schon überschwemmt, der nachfolgende kleine Test bietet somit nur stellvertretende Exemplare. Ein Plattentuch oder öfter auch mal Küchentücher sind zudem Bestandteil des sogenannten Cheap Thrill. Um hier mal Licht in die Sache zu bekommen, machen zumindest Mikroskop-Aufnahmen einiges klarer.

Die Auswahl von Tücher-Materialien

Mikrofasertücher, Baumwolltuch, Küchenrolle
Foto 1: Eine kleine Auswahl an Tüchern für Schallplatten-Reinigung

Die Spannweite bei den verwendeten Tüchern reicht von einfachen Baumwoll-Stoffen und alten T-Shirts über die einfache Küchenrolle (mit einem Mix aus Zellstoff/Papierfasern) bis hin zu den modernen Mikrofaser-Tüchern. Für den Einsteiger stellt sich die Frage, was ist das beste Plattentuch und wie benutze ich es? Mit den nachfolgenden Infos und einem Test versuche ich, das Ganze deutlich zu machen. 

Funktion und Nutzung des Tuches

Mit einem grünen Mikrofasertuch wird eine nasse Schallplatte abgewischt
Foto 2: Die berühmte Cheap Thrill-Methode - mit dem Tuch die Reinigungsflüssigkeit abwischen

Mit einem Tuch kann man die Schallplatte entweder trocken oder feucht abwischen. Letzteres entweder nur nebelfeucht, um leichte Verschmutzungen abzuwischen oder wie in der Cheap Thrill-Methode eine nasse LP wieder abzutrocknen. Bei der Trockenreinigung möchte man lediglich Staub abwischen.

 

Bei meinen Experimenten, der Sache mal auf den Grund zu gehen, ist eines deutlich geworden und damit nehme ich gleich mal ein Ergebnis vorweg: ein stark saugfähiges Tuch verursacht die wenigsten Kratzer. 

Am wirkungsvollsten erwiesen sich dabei die Mikrofasertücher, welche es in Drogerien und Supermärkten für wenig Geld in großer Auswahl gibt. Mit ihnen genügt meist ein kurzes Wischen ohne Druck auf der Plattenoberfläche, um das Wasser aufzunehmen oder leichte Flecken zu entfernen. Das Gleiche gilt für die Trockenreinigung.

Was sind eigentlich Mikrofaser-Tücher?

Wie der Name schon sagt, bestehen sie aus sehr dünnen synthetischen Polyester- oder Polyamid-Fasern, die erheblich feiner als ein menschliches Haar sind. Sie werden miteinander verflochten und bilden somit eine feste Einheit, die sich je nach Hersteller sehr weich anfühlt. Durch die enge Anordnung dieses Multifilament-Garn ergibt sich eine hohe Kontaktfähigkeit mit der zu reinigenden Oberfläche und aufgrund der Kapillarwirkung die hohe Saugfähigkeit.

Im Haushalt sind diese bunten Dinger schon lange im Einsatz und erweisen sich gerade bei Fensterscheiben oder Spiegel sowie in der Küchenspüle als geniale Putzmittel. Allerdings ist es auch kein Geheimnis, dass diese Mikrofasern keineswegs für alle Materialen geeignet sind. Insbesondere bei weichen Kunststoffen rät man von der Verwendung ab. Und hier schrillen die Alarmglocken! Vinyl ist ein mehr oder weniger weicher Kunststoff! 

Ausserdem soll laut Werbung der Anbieter eine antistatische Wirkung vorhanden sein, doch dies kann ich klar verneinen. LPs, die trocken mehrere Umdrehungen abgewischt wurden, waren danach eindeutig statisch aufgeladen.

 

Warum also verwenden dann Schallplatten-Liebhaber diese Wunder der Putztechnik? 

 

Dem bin ich genauer nachgegangen und habe mehrere Tücher verschiedener Hersteller unter die Lupe, genauer gesagt Mikroskop, genommen. Hier mal ein paar Fotos:

Foto 3: Verschiedene Mikrofaser-Tücher unter dem Mikroskop

Foto 4: T-Shirt aus Baumwolle unter dem Mikroskop

T-Shirt aus Baumwolle unter dem Mikroskop

Foto 5: Küchenrolle unter dem Mikroskop

Küchenrolle unter dem Mikroskop

Test mit verschiedenen Tüchern

Um die eingangs erwähnte Vielfalt zumindest teilweise zu berücksichtigen, habe ich neben den Mikrofasertüchern auch eine herkömmliche Küchenrolle, ein Brillenputztuch und ein Baumwolle-Hemd verwendet. Auf einer spiegelglatten, unbespielten Schallplatten-Seite montierte ich mehrere kleine Klebepunkte, um dort möglichst genau an der gleichen Stelle vor und nach der Reinigung Mikroskop-Fotos machen zu können. Dann benetzte ich den entsprechenden Bereich mit destilliertem Wasser und wischte dieses dann mit den jeweiligen Tüchern weg, bis die LP dort trocken war. Wichtig dabei: egal, welches Tuch-Material im Einsatz war, der Druck auf die Schallplatte sollte so gering wie möglich sein.

 

Die anschließenden Mikroskopbilder zeigten auch für mich überraschende Ergebnisse. Unabhängig davon ergab sich aber eine Erkenntnis: sobald ein Tuch sehr saugfähig war, genügt meist ein kurzes Wischen und somit eine Verringerung eines mögliche Abriebes auf der Vinyl-Oberfläche. Dagegen war bei den Tüchern mit sehr engen und eher dünnen Gewebe (in Testfall waren dies ein Brillenputztuch und das von mir so geschätzte Swissonor-Mikrofasertuch) ein mehrfaches Wischen nötig, bis die Platte trocken war - mit dem Ergebnis, dass dort entsprechend mehr feine Haarkratzer entstanden.

 

Bei leichtem Staub können bis auf die Küchenrolle und das Baumwolltuch alle Mikrofaser-Varianten verwendet werden, ohne nennenswerte Spuren zu hinterlassen. 

Wie man gut erkennen kann, hinterlassen die Mikrofaser-Tücher verschiedener Hersteller so gut wie keine Spuren. Wohlgemerkt mit sehr geringem Druck auf die Platte. Ausnahme: das Swissonor-Tuch!

Die Schleifspuren, welche das Küchentuch hinterließ, sind unübersehbar. Auch wenn man hier sicherlich mit verschiedenen anderen Marken weitere Tests durchführen könnte, sind die zu erwartenden Ergebnisse vermutlich sehr ähnlich. Der Grund: der Stoff ist inhomogen und enthält immer wieder scharfkantige Fasern.

Auch hier eindeutige Spuren auf der Vinyl-Oberfläche. Auch wenn das T-Shirt aus Baumwolle sehr gut die Flüssigkeit aufnimmt, so ist auch hier das Material entscheidend. 

 

Die oben erwähnten Haarkratzer sind mit dem bloßen Auge kaum sichtbar, meist sogar nicht einmal mit einer normalen Lupe. Erst unter dem Mikroskop offenbaren sie Schleifspuren, die wahrlich nicht schön sind. Doch Entwarnung: solche feinste Kratzer sind im Normalfall nicht hörbar.

 

Trotzdem sollte man sie vermeiden, zumal es noch einen weiteren Aspekt gibt: nämlich die Gefahr, kleine Schmutzpartikel mit dem Tuch in die Rille hineinzudrücken. Denn aufgrund der Struktur der Mikrofaser-Tücher reichen die Fasern nicht in die Rille hinein, sondern bleiben weitgehend auf der Oberfläche (siehe Foto 9a-9b). Der Schmutz auf der Platte, der etwa bei Cheap Thrill mit dem Wasser aufgeschwemmt wird, kann so durch das Tuch nicht vollständig aufgenommen werden. 

Eine genauere Untersuchung dazu folgt in Teil 2.

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